Volles individuelles Potential

Im Buch Die erfolgreiche Tagung von Rudolf Müller von 1999 gab es ein Kapitel mit dieser Überschrift, welches in das neue Handbuch aufgrund seines Umfangs und der neuen Konzeption nicht mehr hineinpasste.

Dabei handelt es sich weniger um eine eigene Tagungsform, sondern eine Zielfindungs- und Problemlösungstechnik, die ein Maximum an Synergie vieler Beteiligter erbringen soll. Diese wird dann innerhalb einer Veranstaltung für spezielle Fragestellungen eingesetzt.

Sie kennen vielleicht die TV-Sendung Pro und Contra. Zu einem Thema werden die Zuschauer quasi unreflektiert befragt. Beispiel: Todesstrafe. Vielleicht ist die Abstimmung zu Beginn 80 :20. Es folgen Expertenvorträge und Diskussionen. Zwischendurch wird wieder (elektronisch) die Meinung der Zuschauer im Sendesaal erfragt. Es kann sein, daß sich diese unter dem Einfluß der Sachargumente auf 40:60 total verändert! Dabei bleiben die Zuschauer rein passiv, reflektieren nicht die Argumente im Gespräch.

Ein ganz prägnantes Beispiel hierfür bietet der Film „Die 12 Geschworenen“. Der Film beginnt nach Ende der Gerichtsverhandlung. Die Jury muß über Schuldig und Nicht-Schuldig abstimmen. Nur ein einziger der Geschworenen (gespielt von Henri Fonda) hat Gedanken und Bedenken, die übrigen wollen schnell nach Hause. Vordergründig sieht alles nach Schuld aus. Also 11:1 für Schuldig. Nun muß eine amerikanische Jury einstimmig urteilen. Es beginnt nun - teils widerwillig - eine Diskussion der Jury. Der Film zeigt den Verlauf der Nacht. Bald steht es 10:2, dann 9: 3. Am Ende lautet es 0:12 und somit Nicht Schuldig. Der intensive Austausch von Argumenten hat also die Entscheidung völlig umgedreht.

Es gibt ein Seminar, in dem man – messbar- erleben kann, zu welcher Arbeitsqualität und somit Arbeitsergebnissen unreflektiertes Abstimmen im Vergleich zu harter, möglicherweise dorniger „Gesprächs“-Arbeit mit Argumenten führen kann. Es handelt sich hierbei um das Verhaltensgitter-(Grid)-Seminar, welches ganz stark auf der Methode des instrumentierten Gruppenlernens basiert. Interessant ist eben, dass durch die IGL-Methode das Arbeitsergebnis vergleichbar gemacht wird.

Ziel ist es, als Gruppe das beste Ergebnis zu erreichen. Dies erfordert Synergie d.h. die Gruppe erzielt ein besseres Ergebnis als der beste Einzelne. Die Synergie funktioniert auch nicht, wenn eine dominante Person einfach die anderen niederredet. Das Ziel einer Teamarbeit ist Synergie ein besseres Ergebnis erreichen, als es einer alleine vermocht hätte.

Das Gruppenergebnis fällt nach der Erfahrung von Dr. Müller am besten aus, wenn sich alle intensiv bemühen Sachargumente einzubringen und sich persönlich beteiligen. Bei schweigsamen Teilnehmern, die oft eine Minderheitsmeinung bzw. -lösung in sich tragen, sollte man besonderst eingehen, sie ansprechen, intensiv zuhören, statt „gebetsmühlenartig“ die Argumente der Mehrheit zu wiederholen.

Was sind die Folgen aus diesen Erkenntnissen für Demokratie, wenn es z.B. um Bürgerinitiativen und Volksbegehren und sogar Volksentscheide geht. Zunächst wäre die intensive Sachdiskussion, das Zuhören und Mitdenken zu fördern. Dadurch würde die Qualität der Entscheidung stark verbessert.

Erst später kommt es auf die Mehrheit an, wenn kein Konsens gefunden wird. Auf die Mehrheit deshalb, weil in der Umsetzung mehr Gruppenenergie liegt. Für Synergie muss jeder Beteiligte intensiver mitdenken. Mit schnellen, recht unreflektierten Abstimmungen (so geht es wohl oft bei politischen Tagungen zu, aber da wird das Optimum gar nicht erst gesucht) wird kein besseres Ergebnis, keine Synergie erreicht.

 

Doch was ist mit innovativen Lösungen, neuen Wegen von Querdenkern? Diese finden erst recht keine (bei schnellen unreflektierten Entscheidungen) Mehrheit. Bei Veranstaltungsformen, die auf Konsens abziehen, wie z.B. die Zukunftskonferenz, fallen diese Vorschläge zunächst unter den Tisch. Dort ist also noch ein Schatz, der mit mehr Zeit von kleinen Gruppen nach der Veranstaltung gehoben werden muss. Daraus ergeben sich innovative Wege, die die bislang bekannten Regeln und Denkmuster des Marktes auf den Kopf stellen und kaum mit schnellen Mehrheitsideen und Mehrheitsbeschlüssen gefunden werden können. Querdenker mit Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen sind gefragt.

Bei Interesse melden Sie sich im Institut mit einer >>Mail . Sie erhalten mehr Informationen.

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